
Präsident Maduro in New York – (C) The White House
In den frühen Morgenstunden des 3. Januar 2026 wurde ein zuvor kaum für möglich gehaltener Alptraum zur Realität: Die Vereinigten Staaten von Amerika starteten eine koordinierte militärische Offensive gegen die Bolivarische Republik Venezuela, die weit über diplomatische Spannungen hinausgeht und als einer der tiefgreifendsten Brüche des modernen Völkerrechts in die Geschichte eingehen wird. Unter dem Codenamen Operation Absolute Resolve bombardierten US‑Kampfjets, unterstützt von Hubschraubern und Elite‑Spezialeinheiten, militärische Stützpunkte in Caracas und mehreren Bundesstaaten Venezuelas, darunter Miranda, Aragua und La Guaira, bevor sie den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und seine Ehefrau Cilia Flores festnahmen und außer Landes brachten. Der Einsatz, der mit über 150 Militärflugzeugen und Spezialeinsatzkräften durchgeführt wurde, führte nach offiziellen Angaben zu mindestens 80 Toten – darunter mindestens 32 kubanische Sicherheitskräfte, die auf Einladung der venezolanischen Regierung im Land waren, und einem tiefen Einschnitt in der Unabhängigkeit eines souveränen Staates.
Was sich dort ereignete, ist kein normaler Schlag gegen Drogenkartelle oder eine isolierte Operation in einer instabilen Region. Es ist ein offener Bruch des Völkerrechts, eine Militarisierung außenpolitischer Ambitionen, eine Übernahme eines anderen Landes unter dem Deckmantel vermeintlicher Rechtsstaatlichkeit, und eine Eskalation, die weit über venezolanische Grenzen hinaus Konsequenzen haben wird.
Die offiziellen Vorwände… und was sie wirklich verbergen
Washingtons offizielle Rechtfertigung für diesen massiven Einsatz war ein Mix aus pauschalen Vorwürfen: Maduro sei ein „narco‑terroristischer Staatschef“, seine Regierung eine kriminelle Bande, die den Drogenhandel nutze, um die USA zu destabilisieren. Gleichzeitig verkündete US‑Präsident Donald Trump in einer öffentlichen Stellungnahme, dass die USA „Venezuela vorerst führen“ würden und dass ein Engagement in der venezolanischen Ölindustrie erwartet werde.
Diese Wortwahl – „führen“, „vorerst verwalten“, „Erwartung an Ölaktivität“ klingt in den Ohren der Welt wie das laute Echo historischer imperalistischer Dogmen, die einst mit dem Ruf nach „Zivilisierung“ und „Freiheit“ in ferne Länder zogen. Es ist nicht das Trommeln einer angeblich demokratischen Befreiung, sondern das Klirren von Kapitalinteressen, geopolitischer Macht und Ressourcenkontrolle.
Die USA behaupten, sie wollten eine „Demokratie fördern“, gleichzeitig jedoch wird der gewählte Präsident eines anderen Landes entführt, dessen Regierung notstandsgemäß Mobilisierung anordnet und das Volk in Alarmbereitschaft versetzt. Die US‑Aktion erfolgte ohne ein Mandat des UN‑Sicherheitsrats, ohne einen offiziellen Beschluss des US‑Kongresses und ohne legitime internationale Rechtsgrundlage. Nukleare Hegemonie kann nicht demokratisch sein, wenn sie auf militärischer Gewalt basiert und rechtswidriges Vorgehen vertuscht.
Weltweit war die Reaktion auf diesen Angriff nicht nur ablehnend, sondern zutiefst alarmiert. Staaten wie Brasilien, Chile, Kolumbien, Mexiko und Uruguay verurteilten die US‑Aktionen als „äußerst gefährlichen Präzedenzfall“, der Frieden und regionale Sicherheit bedroht und den Schutz der Zivilbevölkerung in Gefahr bringt. Sie forderten eine politische Lösung ausschließlich durch friedliche Mittel, Verhandlungen und unter voller Achtung des Willens der venezolanischen Bevölkerung.
Auch große internationale Mächte wie China und Russland sprachen von einem eklatanten Verstoß gegen internationales Recht und einem Angriff auf die souveräne Entscheidungsfähigkeit eines Staates, während selbst in den USA führende Demokraten wie der Senate Democratic Caucus Leader Chuck Schumer die Aktion als „rücksichtslos“ und ohne rechtliche Grundlage verurteilten.
Und es sind nicht nur staatliche Akteure, die die Intervention kritisieren: Amnesty International warnt vor schweren Menschenrechtsverletzungen und einer weiteren Aushöhlung des internationalen Rechtsrahmens, der militärischer Gewalt Schranken setzen soll.
Was bedeutet dieser Angriff für Venezuela – und für die Welt?
Für viele Venezolaner:innen sind die letzten Tage Ausdruck eines Albtraums, der historisch viel tiefer sitzt als die aktuelle Gewalt: eine lange Geschichte externer politischer und wirtschaftlicher Einmischung, die oft auf Kosten der Bevölkerung ging. Tatsächlich hat Venezuela, trotz seiner enormen Ölreserven, die zu den größten der Welt gehören, seit Jahren mit wirtschaftlichen Krisen, Abwanderung und Sanktionen zu kämpfen. Diese Lage wird nun von einem der mächtigsten Staaten der Welt genutzt, nicht zur Hilfe, sondern zur Durchsetzung eigener Interessen.
Der gewaltsame Abtransport ihres Präsidenten nach New York, wo Maduro nun vor einem US‑Gericht wegen angeblichem „Drogen‑ und Waffenhandel“ erscheinen soll, ist mehr als ein politisches Gewicht: Es ist ein Symbol geopolitischer Arroganz, das lateinamerikanische Völker in einen Zustand der Unsicherheit drängt und internationale Normen mit Füßen tritt.
Zugleich besteht die reale Sorge, dass diese Aktion keinen Beitrag zur Stabilität und Demokratie leistet. Historische Beispiele – von Afghanistan über den Irak bis Libyen zeigen, dass militärische Interventionen, die mit dem Versprechen „Demokratie“ ummantelt werden, oft mehr Leid und Zerstörung für die Zivilbevölkerung bedeuten als die angeblichen Regime, gegen die sie sich richten sollen.
Imperialismus heute – der selbe alte Geist unter neuem Banner
Man kann noch so oft von „Narco‑Terror“ oder „Demokratieexport“ sprechen, doch der Kern dieser Intervention ist nicht humanitär: Er ist imperialistisch in seiner Essenz, eine Manifestation des Glaubens, dass mächtige Staaten das Recht haben, über das Schicksal anderer zu bestimmen. Diese Geisteshaltung hat die Welt im 20. Jahrhundert in zwei Weltkriege, unzählige Stellvertreterkonflikte und eine Periode dauerhafter globaler Spannungen gestürzt – und es wäre naiv zu glauben, sie sei mit dem Ende des Kalten Krieges verschwunden.
Was wir heute sehen, ist die Fortsetzung dieser Geschichte: Machtprojektion, Sanktionspolitik, wirtschaftlicher Druck und nun direkte militärische Intervention, eingekleidet in ein Narrativ von Moral und Sicherheit, das schon so oft missbraucht wurde. Es ist eine Erinnerung daran, dass Imperialismus kein Relikt aus alten Lehrbüchern ist, sondern ein lebendiger Mechanismus globaler Ungerechtigkeit.
Solidarität mit dem venezolanischen Volk in einer Zeit der Gefahr
In diesen kritischen Stunden und Tagen braucht Venezuela nicht nur Worte, sondern praktische Solidarität. Es braucht Druck auf internationale Institutionen, darunter die Vereinten Nationen, die wieder einmal beweisen müssen, dass das Völkerrecht nicht nur ein Papiertiger ist. Es braucht eine starke, gemeinsame Stimme von Bewegungen, Gewerkschaften, linken Parteien und zivilgesellschaftlichen Organisationen weltweit, die sich gegen diese Eskalation stellen und für Frieden, Selbstbestimmung und soziale Gerechtigkeit eintreten.
Denn die Menschen in Venezuela verdienen nicht die Fortsetzung eines neuen Kalten Krieges auf ihrem Boden. Sie verdienen Respekt vor ihrer Autonomie, Anerkennung ihrer demokratischen Prozesse – so unvollkommen sie auch sein mögen – und Unterstützung bei der Bewältigung sozialer Krisen ohne militärische Gewalt von außen.
Die Ereignisse des Januar 2026 müssen uns wachrütteln: Wir stehen an einem historischen Scheideweg zwischen einer Weltordnung, die Macht über Recht stellt, und einer, in der Solidarität, internationale Kooperation und Respekt die Grundlage zwischenstaatlicher Beziehungen bilden. Die Entscheidung, auf welcher Seite wir stehen, wird nicht nur über das Schicksal Venezuelas entscheiden, sondern darüber, welchen Weg die Menschheit im 21. Jahrhundert wählt.
Quellen
https://www.theguardian.com/world/venezuela
https://www.aljazeera.com/tag/venezuela/
https://www.bbc.com/news/world-latin-america-36319877
https://venezuelanalysis.com/
https://www.democracynow.org/topics/venezuela
US-Sanktionen gegen Venezuela und ihre sozialen Folgen
https://www.reuters.com/world/americas/venezuela-us-sanctions-explainer-2023-10-18/
https://cepr.net/report/economic-sanctions-as-collective-punishment-the-case-of-venezuela/
https://www.brookings.edu/articles/the-human-cost-of-sanctions-on-venezuela/
https://www.un.org/sg/en/content/sg/note-correspondents/2021-02-12/note-correspondents-human-rights-impact-unilateral-sanctions
https://www.hrw.org/world-report/2024/country-chapters/venezuela
US-Imperialismus in Lateinamerika (historischer Kontext)
https://nsarchive.gwu.edu/briefing-book/venezuela
https://www.britannica.com/topic/United-States-intervention-in-Latin-America
https://monthlyreview.org/2019/03/01/imperialism-and-the-crisis-in-venezuela/
Donald Trump, Autoritarismus und Faschismus-Debatte
https://www.nytimes.com/interactive/2023/12/05/us/trump-fascism.html
https://www.newyorker.com/news/our-columnists/is-donald-trump-a-fascist
https://www.theguardian.com/us-news/donaldtrump
https://www.jacobinmag.com/2023/06/donald-trump-fascism-authoritarianism-republicans
Weitere Analysen und Blickpunkte
https://www.jacobinmag.com/tag/venezuela
https://www.telesurenglish.net/
https://monthlyreview.org/
https://www.counterpunch.org/